

Der Betrieb von Henning Stapelbroek erprobt im EIP-Projekt, wie Zwischenfruchtbeweidung unter sehr trockenen Standortbedingungen sinnvoll in Ackerbau und Tierhaltung integriert werden kann. Im Fokus stehen vielfältige, standortangepasste Zwischenfruchtmischungen, kurze Beweidungsintervalle und die Frage, wie Futterproduktion, Bodenschutz und Wasserrückhalt gemeinsam verbessert werden können.
400 Millimeter Niederschlag im Jahr in einem ausgeprägten Mikro-Trockengebiet mit sandigen Böden – die Bedingungen auf dem Betrieb von Henning Stapelbroek in der Altmark sind alles andere als einfach. Hier braucht es eine Bewirtschaftung, die an Trockenheit angepasst ist. Als Projektpartner in unserem EIP-Projekt zur Zwischenfruchtbeweidung erprobt der Betrieb, wie sich Ackerbau und Tierhaltung unter diesen Bedingungen sinnvoll verbinden lassen.
Beim Besuch wird schnell deutlich, dass hier schon jetzt vieles zusammengedacht wird. Auf rund 135 Hektar kombiniert Henning Marktfruchtanbau mit Mutterkuhhaltung und mobilen Legehennen. Die Tiere sind dabei Teil des Systems: Die Rinder nutzen neben dem Grünland auch die Ackerflächen als Teil ihrer Futtergrundlage, die Hühner folgen in mobilen Ställen und senken den Parasitendruck. Im Ackerbau setzt der Betrieb auf Direktsaat und Strip-Till, um den Boden möglichst wenig zu bewegen und Wasser im System zu halten.
Zwischenfrüchte spielen bereits eine große Rolle. Während sie von vielen Betrieben vor allem als Maßnahme für den Bodenschutz gesehen werden, versteht Henning sie als „Cash Crop“. Sie sollen aktiv genutzt werden – als Futter für die Tiere und als Baustein im gesamten Betriebssystem. Erste Erfahrungen sammelte er bereits ab 2018, seit 2022 baut er Zwischenfrüchte im eigenen Betrieb gezielt an.

Die Zwischenfruchtmischungen stellt der Betrieb selbst zusammen. Vielfalt ist dabei ein zentrales Prinzip – oft kommen sieben oder mehr Arten zum Einsatz. Gleichzeitig müssen die Mischungen an den trockenen Standort angepasst sein und gut von den Tieren gefressen werden. Fertige Mischungen sind für den Betrieb oft nicht divers genug oder wirtschaftlich nicht sinnvoll. Deshalb werden die Komponenten gezielt selbst ausgewählt und kombiniert, unter anderem mit Tiefenrettich, Sorghum, Weidelgras oder Wick-Roggen. Auch Sonnenblumen spielen eine Rolle – bei Henning jedoch nicht als gezielt eingesäte Kultur, sondern als Ausfall aus der Fruchtfolge.
Die Beweidung erfolgt in kurzen Umtrieben. Etwa ein Hektar pro Tag wird eingezäunt, sodass die Tiere die Fläche intensiv nutzen, ohne sie zu überbeanspruchen. Je nach Entwicklung der Bestände können Zwischenfrüchte sogar mehrfach im Jahr beweidet werden. Zweistufige Zwischenfrüchte werden meist ab Mitte August erstmals beweidet, gefolgt von einer weiteren Nutzung im Herbst und – je nach Entwicklung – einer dritten Beweidung im Frühjahr.
Gerade am Anfang bedeutet Zwischenfruchtbeweidung vor allem eines: viel ausprobieren. Nicht jede Mischung funktioniert gleich gut, und nicht jede Kultur wird von den Tieren gleichermaßen angenommen. Auch das Timing ist entscheidend. Ist das Zeitfenster zwischen zwei Hauptfrüchten zu kurz, lohnt sich der Aufwand oft nicht. Zudem können Konkurrenz durch Ausfallgetreide und ungünstige Witterung die Bestände stark beeinflussen.
Unter trockenen Bedingungen überwiegt aber der Vorteil: Die Fläche produziert Futter und bleibt gleichzeitig geschützt. Diese Wechselwirkung steht im Zentrum des EIP-Projekts, in das der Betrieb seine Erfahrungen einbringt. Ziel ist es, besser zu verstehen, welche Mischungen unter trockenen Bedingungen funktionieren, wie sich die Beweidung steuern lässt und wie sich Zwischenfruchtbeweidung in bestehende Betriebe integrieren lässt. Die Praxis bildet dabei die
Grundlage – getragen von engagierten Betrieben wie dem von Henning Stapelbroek, die ihre Erfahrungen aktiv in die Weiterentwicklung des Systems einbringen.
Titelbild: Henning Stapelbroek