

Weideschuss, Stockmanship und Messtechnik: Das Bioland-Rinderteam besucht Forschungsbetrieb Gut Temmen
Im Rahmen des Bioland-Rinderteam-Treffens besuchten Bioland Berater*innen Gut Temmen in Stegelitz. Der Betrieb ist einer unserer Praxispartner im EIP-Agrar-Projekt zur Zwischenfruchtbeweidung. Auf dem Programm standen ein Hofrundgang, der Austausch und ein Blick darauf, wie Forschung und Betriebsalltag auf dem Hof zusammenkommen.
Geschäftsführer David Henke stellte zunächst den Betrieb vor. Gut Temmen ist ein sehr großer Betrieb – ein Einblick in die Abläufe ist daher für Berater*innen daher besonders aufschlussreich. Auf großes Interesse stieß der Weideschuss, den der Betrieb seit 2023 umsetzt. Auch Stockmanship, mit dem Gut Temmen seine Rinder stressarm und zeitsparend bewegt, ist in der Praxis noch wenig verbreitet und weckte bei den Gästen viel Neugier.
Gut Temmen arbeitet seit vielen Jahren mit Forschungseinrichtungen zusammen. Im Mittelpunkt steht dabei oft die Frage, wie sich Rinder sinnvoll in den Ackerbau integrieren lassen. Beim Treffen wurde das abgeschlossene EIP-Agrar-Projekt Mob Grazing vorgestellt: Welche Ergebnisse liegen vor, und was bedeuten sie für die Praxis? Die Diskussion drehte sich auch um Anwendungsfragen – etwa wie sich Besatzdichte, Ruhezeiten und Flächenplanung auf den eigenen Betrieb übertragen lassen.
Außerdem ging es um das laufende Projekt zur Zwischenfruchtbeweidung, in dem Gut Temmen einer von drei Forschungsbetrieben ist. Diese drei der insgesamt sechs Praxisbetriebe sind die Standorte, an denen die umfangreichen Versuche und Messungen stattfinden. Mutterkühe beweiden dabei die Zwischenfruchtbestände. Die Beweidung soll die Kosten für den Zwischenfruchtanbau senken, während dessen positive Effekte für Boden und Fruchtfolge erhalten bleiben.
Im Projekt werden umfangreiche Daten erhoben, darunter Bodenparameter, Pflanzenentwicklung, Trockenmasseertrag, Futterqualität, Bestandeszusammensetzung und Biodiversitätsparameter. Ergänzend werden digitale Werkzeuge zur Tierbeobachtung getestet.
Hierfür wurde im Rahmen der Projekte Messtechnik angeschafft, deren Einsatz auf dem Betrieb gezeigt werden konnte. Walk-over-Wiegesysteme erfassen auf den drei Forschungsbetrieben das Gewicht der Rinder automatisch, sobald die Tiere die Waage passieren – so lassen sich die täglichen Zunahmen messen. Sensor-Halsbänder zeichnen die Aktivität der Tiere auf und geben Hinweise auf Fress-, Ruhe- und Bewegungsverhalten.
Mit der modernen Ausstattung entsteht eine Infrastruktur, die – ebenso wie die dadurch in der Projektarbeit entwickelten neuen Methoden und Kompetenzen – über das einzelne Projekt hinaus nutzbar ist. Über die Forschungstransferzentren der HNE Eberswalde und darüber hinaus lässt sich das entstehende Wissen mit Forschung und Praxisbetrieben teilen.

