Erkenntnisse der ersten Weidesaison: Wie sich die Zwischenfrüchte entwickelten und wie sie den Rindern schmeckten

October 30, 2026

Hitze über 40 °C, kaum Regen und viel Konkurrenz durch Beikräuter und Vorfrüchte: Die Umstände in der ersten Saison unseres Weideversuchs waren für die Zwischenfrüchte anspruchsvoll. Für uns waren sie aber aufschlussreich, denn im Projekt „Zwischenfruchtbeweidung“ entwickeln und testen wir Zwischenfruchtmischungen für trockene Standorte. Der Dürresommer war damit ein aussagekräftiger Praxistest dafür, was die Mischungen unter Stress leisten.

Am Projekt sind insgesamt sechs Betriebe in Brandenburg und Norddeutschland beteiligt. Drei davon sind Forschungsbetriebe, auf denen umfangreiche Messungen stattfinden: Auf den Versuchsflächen bei Gut Temmen, Spreewaldweiden und dem Betrieb von Henning Stapelbroek weideten zwischen Mitte Juli und Ende September 2026 Rinder in Gruppen von 30 bis zu knapp 90 Tieren. Welche Erfahrungen die drei Betriebe gemacht haben, wie die Mischungen aufwuchsen, wie sich die Beweidung gestaltete und was die Rinder gern gefressen haben, fasst dieser Beitrag zusammen.

Alle Betriebe testeten dieselben drei Zwischenfruchtmischungen:

  • LeguHafer, ein klassisches Gemenge aus Hafer, Erbse, Wicke, ergänzt durch Sonnenblume
  • ein projekteigenes Trockenheitsgemenge mit 13 Arten, zusammengestellt für trockene Sandböden, mit Rettich, Sudangras und vielfältigen Leguminosen
  • eine zweistufige Mischung mit 21 Arten, vom Betrieb Henning Stapelbroek entwickelt, die sich für eine mehrfache Beweidung sowohl im Sommer als auch im Winter eignet – unter anderem mit Gräsern, Herbstrüben und Blühkomponenten

Ausführliche Informationen zu den Zwischenfruchtmischungen gibt es auf der Seite „Mischungen“.

Witterung

Auf allen Versuchsstandorten war es in diesem Sommer zu trocken. Während die Zwischenfrüchte aufwuchsen, erlebte Gut Temmen in der Uckermark eine trockenheiße Phase über mehrere Tage mit mehr als 40 °C. Auch im Spreewald blieb es lange am Stück trocken, unterbrochen von einem einzelnen Starkregenereignis. Bei Henning Stapelbroek in der Altmark regnete es zwar günstig nach der Aussaat, dann fielen im Juni, Juli und August nur rund 20 mm. Da bereits das letzte Jahr trocken war, hatten die Böden dort kaum Wasser gespeichert und Henning schätzt die Trockenheit sogar größer ein als im Dürrejahr 2018. Auch außerhalb des Versuchs seien die Zwischenfrüchte in der Region in diesem Jahr schlechter aufgelaufen als sonst.

Die Mischungen wurden also unter ausgeprägtem Trockenstress getestet. Für einen Versuch zu trockenheitsangepassten Zwischenfrüchten ist das eine schwierige, aber aussagekräftige Ausgangslage.

Erfahrungen aus der Beweidung

Gut Temmen

Gut Temmen säte am 27. Mai aus und begann am 14. Juli als erster Betrieb mit der Beweidung. Dabei kamen 29 Färsen und ein Bulle zum Einsatz. Die Beweidung endete am 13. August.

Die Mischung LeguHafer ist auf einer sandigen ehemaligen Winterweide lückig aufgelaufen. Obwohl mehr Pflanzenmasse wünschenswert gewesen wäre, musste die Beweidung früher beginnen als geplant, da der Hafer bereits blühte. Problematisch war auch der hohe Anteil des Beikrauts Weißer Gänsefuß (Melde) [RM1.1]auf der Fläche. Stellenweise machte der Gänsefuß rund 80 Prozent des Aufwuchses aus, die Zwischenfrüchte dagegen nur acht bis zwanzig Prozent. Und das, obwohl der Offenbodenanteil teilweise recht hoch war. Während Hafer, Erbse und Wicke gut gefressen wurden, ließen die Rinder den Gänsefuß größtenteils stehen und trampelten ihn nieder. Das lag aber auch am Weidemanagement: Beim Betrieb Spreewaldweiden gab es ebenfalls viel Gänsefuß. Hier wurde er aber komplett gefressen, weil der Weidedruck höher war. Das Beikraut erschwerte in Temmen auch die Einschätzung des Futterangebots: Die Fläche wirkte grün, obwohl nur wenig nutzbares Futter vorhanden war. Die ersten Parzellen fielen deshalb zu klein aus, und die Tiere nahmen ab. Daraufhin wurden die Parzellen vergrößert.

Auf der zweiten Mischung, dem projekteigenen Trockenheitsgemenge, nahmen die Tiere wieder zu. Der Bestand war produktiver und etwas weniger vom Gänsefuß verunkrautet. Außerdem wurde diese Fläche nach den Erfahrungen mit dem LeguHafer bewusst vorsichtiger und kürzer beweidet. Der Rettich befand sich bei der Beweidung teilweise bereits in der Samenreife: Die Blätter wurden gefressen, zurück blieben hohe, harte Stängel. Deswegen sieht der Betrieb den Rettich als Bestandteil der Zwischenfruchtmischung kritisch, weil er sich anders als die übrigen Arten entwickelte.

Abgeweidete Fläche des projekteigenen Trockenheitsgemenges neben frischer Fläche

Die zweistufige Mischung stand auf einer anderen Fläche nach Luzerne-Kleegras. Hier wuchs die Vorfrucht

kräftig nach, die Luzerne machte rund ein Viertel des Bestands aus. Der Bestand war dicht und trotzdem vielfältig, Herbstrübe und Buchweizen dominierten, und die Tiere begannen, auch die Rüben zu fressen. Auf Gut Temmen wurde diese Mischung am besten bewertet, wobei die ungeplante Luzerne zu diesem Ergebnis beigetragen hat.

Angebissene Rübe auf Gut Temmen

Für die nächste Saison zieht der Betrieb erste Schlüsse. Der LeguHafer könnte früher ausgesät werden, idealerweise im März oder April, damit er mehr Blattmasse bildet, bevor er in die Rispe geht. Außerdem wäre es besser, für die Zwischenfrüchte künftig Flächen zu nutzen, die vorher keine Winterweide waren.

Spreewaldweiden

Rund 90 Angler Rinder aller Altersstufen weideten vom 5. August bis 10. September auf den Versuchsflächen des Betriebs Spreewaldweiden. Die Mischung LeguHafer wurde am 4. Juni nach Wickroggen gesät, ist insgesamt gut aufgekommen und kam mit der Witterung gut zurecht. Der Hafer ist zwar schlecht aufgelaufen, Erbse, Wicke und Sonnenblume waren aber gut vertreten. In einem feuchteren Streifen, der quer über die Fläche verläuft, war die Biomasse im Vergleich zur Umgebung deutlich höher. Der Beikrautanteil lag laut Bonitur bei bis zu 60 Prozent, vor allem mit Weißem Gänsefuß und Ampferknöterich. Die Fläche wurde samt Beikraut gleichmäßig und ohne Schäden abgeweidet; lediglich große Sonnenblumenköpfe blieben liegen, kleinere wurden gefressen. Bei früherer Beweidung wären die Sonnenblumen vermutlich besser angenommen worden.

Im projekteigenen Trockenheitsgemenge, ebenfalls am 4. Juni nach Wickroggen gesät, dominierte der Rettich, daneben Erbse, Sudangras und Wicke, die am Rettich emporrankte. Die Beikrautunterdrückung war deutlich besser als beim LeguHafer, zudem waren wesentlich mehr Schmetterlinge und Bienen zu beobachten. Da der Rettich bereits verholzt war, wurde in der ersten Beweidung der LeguHafer besser gefressen; im Wiederaufwuchs war es umgekehrt. Die hohen Rettichstängel ließen den Bestand ergiebiger erscheinen, als er war. Insgesamt bewertet der Betrieb Rettich und Sudangras als wertvolle Biomasselieferanten.

Auf der zweistufigen Mischung, gesät am 11. Juni auf einer ehemaligen Winterweide, verhielt sich die Herde im Vergleich zu den anderen Mischungen am ruhigsten. Der Betrieb führt das auf die größere Biomasse zurück: Der Bestand war nahrhafter und enthielt weniger Beikräuter. Sudangras wurde trotz dicker Stängel gern gefressen, ebenso die Zottelwicke. Die Rüben nahmen die Tiere ab dem zweiten Tag an. Der Buchweizen war zum Zeitpunkt der Beweidung allerdings schon verholzt, das Sudangras teils vertrocknet. Der Betrieb bewertet diese Mischung in der ersten Saison dennoch am besten, gefolgt vom Trockenheitsgemenge und dem LeguHafer.

Rückblickend hätten die Spreewaldweiden alle Mischungen früher beweidet, um jüngeres, besser fressbares Futter anzubieten. Eine frühere Nutzung könnte einen kräftigeren Wiederaufwuchs und eine längere zweite Beweidung aller Mischungen ermöglichen.

Henning Stapelbroek

Beim Landwirtschaftsbetrieb Henning Stapelbroek wurden die Mischungen am 4. Juli direkt nach der Wintergerste gesät, beweidet wurde vom 28. August bis 25. September mit 28 bis 29 Rindern. Nach der Aussaat fiel noch einmal Regen, von dem aber vor allem die Ausfallgerste profitierte. Nach einem Hagelschaden vor der Ernte lag reichlich Korn auf der Fläche. In allen drei Mischungen dominierte daher die Ausfallgerste, laut Bonitur mit 20 bis 35 Prozent des Gesamtbestandes. Auch wenn das nicht im Sinne unseres Versuchs ist – als Futtergrundlage hat sich die Gerste bewährt, zumal die diese Beweidung verjüngt und zum Neuaustrieb anregt. Im LeguHafer schoss der Hafer hoch, bildete Rispen und machte nur wenig Anteil des Bestands aus. Gerste, Haferkörner und Sonnenblumen fraßen die Tiere gern.

Im projekteigenen Trockenheitsgemenge schoss der Rettich sofort und stand zur Beweidung bereits in der Samenbildung. Trotz seines geringen Anteils im Saatgut war er auf der Fläche schnell dominant. Die Herde, die Rettich bisher nicht gefressen hatte, mied ihn weitgehend, entsprechend blieb viel Weiderest zurück. Rettich sollte nach Erfahrung des Betriebs nicht vor August gesät werden, da er sonst zu schnell schießt. Insgesamt war der Aufwuchs der Zwischenfrüchte eher dürftig. Futtergrundlage bildete vor allem die Ausfallgerste.

Die zweistufige Mischung wurde von Henning selbst entwickelt und in den vergangenen Jahren angebaut. So einen schwachen Wuchs wie in diesem Jahr hatte er bei dieser Mischung aber noch nie, was an der Dürre lag. Das Sudangras kam gut, vertrocknete aber, der Buchweizen erreichte nur rund 30 cm statt der sonst möglichen bis zu einem Meter. Für das Sudangras kam die Beweidung zu früh. Trotzdem stand mehr Futter auf der Fläche als nach der optischen Einschätzung erwartet, und es blieb weniger Weiderest als bei den anderen Mischungen.

Henning bewertet seine zweistufige Mischung am besten, gefolgt vom LeguHafer, dessen Hafer die Tiere gut gefressen haben. Das projekteigene Trockenheitsgemenge landet auf dem letzten Platz. Im Vergleich zu anderen Jahren waren alle Zwischenfrüchte sehr klein und schwachwüchsig. Dabei unterschieden sich aber auch die beiden Versuchsflächen deutlich: Auf der Fläche mit dem etwas schwereren Boden wuchsen alle Mischungen schlechter als auf der zweiten Fläche.

Schmackhaftigkeit

Bei den Futterpräferenzen gab es auf den drei Betrieben Gemeinsamkeiten, auch wenn es immer auch Unterschiede zwischen den Rindern gibt:

  • Gern gefressen: Hafer, Erbse, Wicke, Sudangras, junge Sonnenblumen bzw. kleine Köpfe sowie Rüben, nachdem die Tiere sie angenommen hatten.
  • Gemieden: Verholzter Buchweizen, große Sonnenblumenköpfe, Phacelia sowie Rettich ab der Samenbildung. Blätter und Schoten wurden meist noch gefressen, die Stängel blieben stehen.
Die Phacelia sieht toll aus, wurde aber nicht gern gefressen.

Weidemanagement

Beim Weidemanagement setzten alle drei Betriebe auf Portionsweide, jeweils mit eigenen Abläufen. Gut Temmen drittelte die Parzellenstreifen zunächst. Nachdem beim LeguHafer ein Gewichtsverlust sichtbar wurde, halbierte der Betrieb sie ab dem zweiten Streifen. Bei 29 Färsen und einem Bullen lagen die Parzellen je nach Mischung zwischen 0,3 und 1,1 Hektar. Bei den Spreewaldweiden mit rund 90 Angler-Rindern wurde meist vormittags täglich weitergelassen und morgens vor dem Weiterlassen ein neuer Zaun gezogen. Teils wurde nachmittags noch ein Stück dazugegeben. Die Parzellen lagen dort zwischen etwa 0,2 und 1,2 Hektar und richteten sich nach Fraß und Bestand. Henning Stapelbroek ließ seine 28 bis 29 Rinder ebenfalls tägliche weiterziehen, auf jeweils 0,4 bis 0,6 Hektar. Sein Zaun aus zwei Litzen auf Winkelstahl lässt sich schnell aufbauen.

Wie es weitergeht

Zwischenfruchtbeweidung beim Praxisbetrieb SiebenSeenHof

Die erste Weidesaison hat gezeigt, wie unterschiedlich dieselben Mischungen auf die jeweiligen Standortfaktoren reagieren. Auch unsere Praxisbetriebe Ackern in Woddow in Brandenburg, Fabian Koeneke in Niedersachsen sowie der SiebenSeenHof in Mecklenburg-Vorpommern sammeln Erfahrungen zur praktischen Umsetzung unter ihren betriebsspezifischen Bedingungen. Jonas Klänhammer gibt auf seinem Instagram-Account SiebenSeenHof regelmäßige Beweidungsupdates im Videoformat. Im kommenden Sommer testen wir sie erneut. Zuvor steht aber die Weidesaison: Auf unseren Forschungsbetrieben sind die Winterzwischenfrüchte bereits aufgelaufen und werden bald beweidet.

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