Futterverwertung auf der Weide: Erkenntnisse aus dem OBSALIM®-Workshop

May 20, 2026

Das Projekt untersucht, ob OBSALIM® als praxisnahes Beobachtungstool geeignet ist, um die Futterverwertung und den Ernährungszustand von Rindern bei der Zwischenfruchtbeweidung direkt auf der Weide einzuschätzen. In einem Workshop wurde die Methode gemeinsam mit Praxisbetrieben erprobt und als Grundlage für die weitere wissenschaftliche Bewertung im Projekt eingeführt.

Wie lässt sich erkennen, wie gut Rinder ihr Futter tatsächlich verwerten? Diese Frage untersucht das EIP-Projekt zur Zwischenfruchtbeweidung derzeit systematisch mit Blick auf Zwischenfruchtbestände. Dabei geht es darum, den Fütterungszustand der Tiere direkt auf der Weide einzuschätzen – und zu klären, welche Rolle praxisnahe Tierbeobachtungstools dabei spielen können.

In Weidesystemen basiert die Einschätzung der Futterversorgung stark auf Erfahrung. Ansätze wie OBSALIM® gehen davon aus, dass sich der Ernährungszustand über äußere Symptome am Tier erkennen lässt. Veränderungen im Verhalten oder Erscheinungsbild können Hinweise auf Ungleichgewichte geben, bevor klinische Symptome auftreten. Sie wurden über Jahre in der Praxis entwickelt, sind wissenschaftlich jedoch bislang wenig untersucht. Im Projekt wird daher erforscht, wie aussagekräftig OBSALIM® ist und wie es sich mit objektiv gemessenen Daten wie Gewichtsentwicklung, Pansen-pH oder Wiederkauaktivität vergleichen lässt. Ziel ist eine fundierte Bewertung der Praxistauglichkeit und Einsatzmöglichkeit für die Zwischenfruchtbeweidung.

Um eine gemeinsame Grundlage für diese Arbeit zu schaffen, fand vom 27. bis 28. April ein interner Workshop mit den Projektpartnern statt, die OBSALIM® im Versuch anwenden werden. Unter Anleitung von Tierarzt Dr. Andreas Striezel beschäftigten sie sich intensiv damit, die Futterverwertung von Rindern einzuschätzen. Das OBSALIM®-Konzept bietet dafür eine strukturierte Methode: Sichtbare Symptome an den Tieren werden systematisch erfasst und miteinander kombiniert – das können zum Beispiel unterschiedlich geformte Kotfladen, gelbliche Krusten an den Augen oder ein ausgeprägter Haarkamm entlang des Rückens sein.

Bei der Methode geht es nicht um einzelne Tiere, sondern um das Gesamtbild und wiederkehrende Muster innerhalb der Herde, um Auffälligkeiten früh zu erkennen und Anpassungen im Management abzuleiten. Unterstützt wird die Feldarbeit durch ein Kartendeck, bei dem typische Symptome bestimmten Fütterungsungleichgewichten zugeordnet sind. Auch werden standardisierte Kotproben aufgenommen und gepresst, um die Faserverwertung einzuschätzen. Die Auswertung kann zusätzlich über eine App erfolgen.  

Im Rahmen unseres Workshops wurde OBSALIM® direkt auf mehreren Projektbetrieben angewendet, unter anderem auf Gut Temmen, bei Liese & Töchter und bei Ackern in Woddow. Alle beobachteten Herden standen zu diesem Zeitpunkt noch auf der Winterweide und zeigten ähnliche Muster: Die Tiere wiesen zwar verschiedene sichtbare Symptome auf, diese deuteten jedoch alle auf einen Mangel an Protein in der Fütterung hin – zurückzuführen auf die Winterfütterung mit Heu und teilweise Silage.  

Solche Ungleichgewichte lassen sich in extensiven Weidesystemen nicht immer kurzfristig ausgleichen. Bei den Projektbetrieben standen die Herden jedoch kurz vor dem Austrieb auf frisches Grünland, wodurch sich die Proteinversorgung in den kommenden Tagen deutlich verbessern dürfte.  

Spannend wird die Beobachtung mit OBSALIM® nun bei den anstehenden Zwischenfruchtbeweidungen. Im Projektverlauf werden die Betriebe mit sehr unterschiedlichen und innovativen Zwischenfruchtmischungen arbeiten. Entsprechend wichtig ist es, den Ernährungszustand der Tiere im Blick zu behalten und früh zu erkennen, wenn eine Mischung nicht passt. Ob die Tierbeobachtung mit OBSALIM® hierfür ein wertvolles Werkzeug sein kann, wollen wir in den kommenden Jahren untersuchen. Der Workshop hat dafür den Einstieg geschaffen.

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